Mastitiserreger



Mastitismonitoring... und mehr Informationen

Seitenabschnitte:
-Staphylokokken
-- Staphylococcus aureus (St. aur.)
-- Koagulase negative Staphylokokken (KNS)
-- - Vorbeugemaßnahmen (Staphylokokken, speziell Staph. aureus)
-Streptokokken
-- Streptococcus agalactiae (ScB) Gelber Galt
-- - Vorbeugemaßnahmen ScB
-- Äskulin positive Streptokokken
-- - Streptococcus dysgalactiae (ScC)
-- - Streptococcus uberis (ScE)
-- - Enterococcus spp.
-- - - Vorbeugemaßnahmen (Streptokokken)
-Pyogenes-Mastitis
-- Arcanobacterium pyogenes (A. pyogenes)
-- - Vorbeugemaßnahmen (Pyogenes Mastitis)
-Corynebakterien
-- Corynebacterium bovis (c. bovis)
-- - Vorbeugemaßnahmen Corynebakterien
-Coliforme Erreger
-- Escherichia coli (E.coli)
-- Klebsiella
-- Serratia marcescens
-- - Vorbeugemaßnahmen (Colimastitis)
-Seltene Mastitiserreger
-- Prototheken (Algen)
-- - Vorbeugemaßnahmen Prototheken
-- Hefen
-- - Vorbeugemaßnahmen Hefen
-Mykoplasmen
-- Mykoplasma bovis
-- - Vorbeugemaßnahmen Mykoplasmen

Staphylokokken


- Staphylococcus aureus (St. aur.)


Derzeit häufigster Mastitis-Erreger ist das Bakterium Staphylococcus aureus. Viele Infektionen entstehen in der Trockenstehperiode bzw. kurz nach dem Abkalben. Eine durch S. aureus ausgelöste Mastitis verläuft häufig unbemerkt (subklinisch).
Durch eine steigende Penicillinresistenz entwickelt sich S. aureus zusehends auch zu einem Problemkeim. Die Verbreitung erfolgt überwiegend während des Melkens.

- Koagulase negative Staphylokokken (KNS)


Die Koagulase negativen Staphylokokken befinden sich, wie auch S. aureus, auf der Haut, Schleimhaut und auf der Euterhaut. Die durch KNS ausgelöste Mastitis kann in akuter oder chronischer Form auftreten. Die Verbreitung ist meist von der Haut über den Strichkanal. Infektionen zeigen hohe Heilungschancen und führen meist zu reversiblen Schäden im Eutergewebe.

- - Vorbeugemaßnahmen (Staphylokokken, speziell Staph. aureus)


  • Bei akuter klinischer Mastitis (Flocken / Schmerzhaftigkeit / vermehrt warmes Viertel / gerötetes Viertel / geschwollenes Viertel) Behandlung auf der Basis von vorliegenden Bestandsdaten (mögliche Penicillin Resistenz beachten). Eine systematische Resistenztestung ist angeraten.
  • Besonderes Augenmerk auf Färsen / Erstlaktierende, um das Einschleppen von neu infizierten Tieren zu verhindern.
  • komplexe Hygienemaßnahmen (Staphylokokken lassen sich nicht aus dem Tierumfeld verbannen, sehr wohl aber in Maßen halten.)
  • Körpereigene Abwehr durch optimale Fütterung stärken (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe).
  • Zitzendippen
  • Zwischendesinfektion / Kontrolle der Desinfektionsmittel (Konzentration!)
  • Frühzeitige erfolgreiche Behandlung (und Kontrolle!!) von infizierten Eutervierteln und konsequentes antibiotisches Trockenstellen.
  • Vakzine in Problembeständen zur Sanierung

Streptokokken


- Streptococcus agalactiae (ScB) Gelber Galt


Die Infektion mit Streptococcus agalactiae verläuft häufig als subklinische Form mit Zellzahlerhöhung. Die Ansteckung erfolgt während des Melkens. S. agalactiae ist sehr empfindlich gegenüber Penicillin. Der Erreger zeichnet sich durch eine hohe Neuinfektionsrate aus.

- - Vorbeugemaßnahmen ScB


  • frühzeitig durch Behandlung, infizierte Tiere aus der Herde eliminieren
  • kuheigene Eutertücher verwenden
  • Handschuhe (Handdesinfektion)
  • Melkzeug Zwischendesinfektion

- Äskulin positive Streptokokken


MEDI, der Mastitis-Erreger-DNA-Nachweis!!!

- - Streptococcus dysgalactiae (ScC)


Streptococcus dysgalactiae wird meist während des Melkens übertragen. Dadurch, dass der Keim aber außerhalb des Euters überlebensfähig ist, tritt er auch als Umweltkeim auf und kann zwischen den Melkzeiten auf eine Kuh übertragen werden.

- - Streptococcus uberis (ScE)


Der Umweltkeim Streptococcus uberis tritt überall in der Umgebung der Tiere auf, was die Übertragungswege auf ein Vielfaches erhöht. Es kann bei diesem Keim neben akuten Mastitiden zu subklinischen und chronischen Verlaufsformen kommen. Die Therapie der chronischen Form bleibt meist erfolglos.

- - Enterococcus spp.


Als Mastitiserreger sind Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium bekannt. Beide Arten werden zwischen den Melkzeiten über den Kot oder durch die Umgebung der Tiere verbreitet. Enterokokken haben eine lange Überlebensdauer in infizierten Milchdrüsen. Die Therapie gestaltet sich oft hartnäckig und langwierig.


  • Einzeltiere behandeln - flankiert von Hygienemaßnahmen
  • Bestandsbezogene Hygienemaßnahmen, da sonst der Heilungserfolg geringer als die Neuinfektionsrate.
  • Reinigung und Desinfektion der Liegeflächen (alle 2 Tage nachstreuen, ggf. Zusatz von Löschkalk, um den pH-Wert > 9,4 zu erhöhen) und im Melkbereich (Problembestand monatlich)
  • feuchte Eutertücher verwenden,
    Zitzendippen
  • Euterdesinfektion bei Trockenstehern und Färsen.
  • Behandlungsresistente Tiere (Kontrolle) merzen.
  • Abwehrkräfte der Tiere stärken (optimale Fütterung).

Pyogenes-Mastitis


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- Arcanobacterium pyogenes (A. pyogenes)


Die Übertragung von Arcanobacterium pyogenes kann durch Kontakt mit kontaminierter Umgebung oder aber auch durch Fliegen erfolgen. Es kann zu einer akuten oder chronischen Form der Mastitis kommen. Eine Infektion mit diesem Bakterium führt meist zum Verlust des betroffenen Viertels.

- - Vorbeugemaßnahmen (Pyogenes Mastitis)


  • Auftreten von Zitzenverletzungen eingrenzen, vorhandenen Fälle systematisch behandeln und melkhygienisch versorgen.
  • Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen (Erregerminimierung im Umfeld)
  • Tiere unter hygienischen Bedingungen gut Ausmelken.
  • Färsen: Eutersaugen verhindern
  • Kälber: Tränkmilch erhitzen, keine Milch euterkranker Tiere vertränken
  • Sauberkeit im Haltungsbereich
  • Zukauftiere zunächst unter Quarantäne stellen
  • Unheilbar kranke Tiere selektieren (Kontrolle)
  • Im Sommer / bei Weidegang: Insektizidbehandlung

Corynebakterien


- Corynebacterium bovis (c. bovis)


Mastitismonitoring mit MEDI ...

Corynebakterien kommen im Erdboden, auf der Haut und in der Milch und Milchprodukten vor. Sie gehören zu den sog. kuhassoziierten oder kontagiösen Mastitiserregern, d. h. diese sind Bestandteil der normalen Mikroflora von Euter und Zitze. Um klinische Erkrankungen auszulösen, sind weitere Faktoren (Immunschwäche, Primärerkrankung) notwendig.
Eine Infektion nimmt daher meist einen subklinischen Verlauf. Corynebacterium bovis ist daher schwach pathogen (krankheitsauslösend), kann aber zu außergewöhnlichen Zellzahlen führen. Er wird während des Melkens übertragen.
Der Keim breitet sich vor allem dann in Beständen aus, wenn keine Zitzendesinfektion nach dem Melken durchgeführt wird.

- - Vorbeugemaßnahmen Corynebakterien


  • Zitzendippen
  • Eine Therapie ist selten sinnvoll
  • Zitzenkondition verbessern

Coliforme Erreger


- Escherichia coli (E.coli)


Mastitis Erreger DNA Nachweis (PCR-Verfahren)

E.coli verbreitet sich in schmutzigen Liegeboxen, verschmutzten Laufgängen und nassen, schlammigen Ausläufen. Die Tiere infizieren sich durch Einstreu, Kot oder Wasser. Meist tritt eine akute Mastitis nach der Infektion mit diesem Keim auf.

- Klebsiella


Die Tiere können sich in der Umgebung z.B. durch Sägespäne als Einstreumaterial mit Klebsiella anstecken. Die Verbreitung findet durch Kontakt mit der Umgebung zwischen den Melkzeiten statt. Durch Klebsiella ausgelöste Mastitis tritt häufig akut und lang andauernd auf. Die Tiere erholen sich nur schwer von der Krankheit.

- Serratia marcescens


Ist ein typischer Vertreter der Gruppe der coliformen Bakterien. Der Grund für die wachsende Bedeutung der Coli-Mastitis sind die ernsten Symptome der Erkrankung. Sie tritt überwiegend als akut verlaufende Euterentzündung, vor allem bei Einzeltieren, auf. Die Erkrankung mehrer Kühe einer Herde zum gleichen Zeitpunkt kommt so gut wie nicht vor. Eine Übertragung von Kuh zu Kuh wird daher nahezu ausgeschlossen.

- - Vorbeugemaßnahmen (Colimastitis)


  1. Förderliche Faktoren vermeiden / minimieren
    1. Durchfallerkrankungen (Ursachen: Verschmutztes Futter / pilzbefallene Silage / einseitige Fütterung / krasse Futterumstellung)
    2. Stoffwechselstörungen
    3. Extreme Milchleistung (Trockensteher sind nur im Ausnahmefall betroffen)
    4. Ungenügende Ausbildung einer Grundimmunität
    5. Krankheitsbelastete Kühe (Leberschäden)
  2. Frühzeitiger Therapiebeginn
  3. In der Regel Einzeltiererkrankung
  4. Erregerverschleppung von Kälbern / erkrankten Kühen verhindern
  5. Späne als Einstreu optimal lagern (nicht warm und feucht)

Seltene Mastitiserreger


- Prototheken (Algen)


Sind farblose Algen die vor allem in der Umwelt (Kot, Boden, Wassertröge, Futterbarren) anzutreffen sind. Bei der Fütterung von Kartoffeln und -produkten ist mit vermehrtem Aufkommen zu rechnen. Infektionen mit Prototheken zwischen den Melkzeiten sind ebenso möglich wie die Verbreitung von Kuh zu Kuh (bei hohem Infektionsdruck). Meist sind mehrere Kühe eines Bestandes betroffen. Es ist kein Therapeutikum bekannt, daher ist nach entsprechender eindeutiger Diagnose über eine Merzung zu entscheiden.

- - Vorbeugemaßnahmen Prototheken


  • Vermeidung von andauernder Feuchtigkeit
  • Vermeidung von Unsauberkeit, Feuchtigkeit in Verbindung mit kohlehydrathaltigen Stoffen (Schlempe, Treber, Schnitzel)
  • Infizierte Tiere sofort isolieren, um die Ausbreitung zu verhindern.
  • Zitzendippen (Jodhaltige Mittel)
  • Konsequente Hygiene im Abkalbestall

- Hefen


Hefen gehören zu den Umweltkeimen. Man findet sie auf der Haut von Kühen, auf der Zitzenhaut und im Strichkanal - ebenso reichern sie sich in unsachgemäß gelagerten Futtermitteln oder feuchter Einstreu an. Oft ist eine Hefemastitis auch die Folge von Euterbehandlungen mit Hefe verunreinigten Antibiotika (z. B. mehrmaliger Gebrauch von Einmalspritzen oder Aufziehen der Medikamente aus Infektionsflaschen). Antibiotika haben keine hemmende Wirkung auf Hefen, reduzieren aber Bakterien und geben damit den Hefen die Möglichkeit sich weiter zu vermehren. Ein häufiges Ausmelken des betroffenen Viertels mit evtl. Gabe von Oxytocin und die Behandlung der Euterhaut kann die Heilung unterstützen. Infizierte Tiere am Ende melken.

- - Vorbeugemaßnahmen Hefen


  • Sensibler Umgang beim Einsatz von Antibiotika zur Euterbehandlung
  • Verhinderung der Anreicherung von Hefen im Umfeld (Futter, Einstreu, Zitzentauchen)
  • Vermeidung von Euterschädigungen

Mykoplasmen


Mycoplasmen sind hochansteckende Erreger (Mycoplasma agalactiae, bovis, bovisgenitalicum), die sich von einem Euterviertel auf alle vier Viertel ausbreiten und sich weiter bis zu den Gelenken und anderen Organen ausdehnen können. Das Sekret wird wässerig bis eitrig. Die Milchleistung ist stark vermindert.
Erfolge bei der Mastitistherapie sind sehr gering, so dass es häufig zu einer Merzung der erkrankten Tiere kommt.
Die Mycoplasmen werden mit der klassischen Mikrobiologie nicht routinemäßig nachgewiesen.

- Mykoplasma bovis


Ein hochansteckender Erreger, der vor allem durch Zukauftiere in den Bestand gebracht wird. Außerhalb des Wirtes ist M. bovis nicht lange überlebensfähig. Die Ansteckung erfolgt schnell von Kuh zu Kuh. Er verursacht, vor allem bei frischmelkenden Kühen, eine akute Mastitis die oft gleich mehrere Viertel betrifft. Antibiotika sind nicht wirksam. Der mikrobiologische Nachweis ist langwierig, mit MEDI kann ein Ergebnis in wenigen Stunden vorliegen.

- - Vorbeugemaßnahmen Mykoplasmen


  • Zukauftiere vor der Einstallung testen (vorzugsweise mit PCR Verfahren)
  • Infizierte Tiere umgehend separieren und merzen
  • Managementänderung


Literatur:
Winter
Praktischer Leitfaden Mastitis - Vorgehen beim Einzeltier und im Bestand
Parey Verlag, Stuttgart, 2009

Malkow-Nerge, Tischer, Tschischkale
Mastitis Sprechstunde - Praxisfälle + Mastitis-ABC
AgroConcept GmbH, Bonn, 2007

Deutz, Obritzhauser
Eutergesundheiz und Milchqualität - Krankheiten erkennen, vorbeugen, behandeln
Leopold Stocker Verlag, Graz, 2003

Wendt, Lotthammer, Feglings, Spohr
Handbuch Mastitis
Kamlage Verlag, Osnabrück, 1998

Klein
Mikrothek
Behrs Verlag, Hamburg, 2005 - 2010

Reinecke
Vortrag Umwelterreger
Meinersen 2011

Internet
www.lwk-niedersachsen.de u.a.
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www.mastitismonitoring.de
www.mastitiserreger.de
www.mastitislabor.de
www.regionallabor.de
www.milchkontrolle.de

Stand: 24.10.2011